Gedankenschleuder (27.06.2022)

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27.06.2022

In den Straßen weht die Fahne des Hungers. Und der Sehnsucht. Auf dem Weg zur eigentlichen Gelassenheit. Wie haben wir uns verändert. Und sind in unseren Geistern doch gleich geblieben. Immer wieder Deutsch. Bis zum Verrecken und an die Schmerzgrenze des Einhalt gebietenden Nichts. Daran gibt es nichts auszusetzen. Das war immer schon so. Wir hungern und im Untergang klagen wir an. Jeder der sich in den Weg stellt, wird mit Verantwortung überschüttet. Nur das eigene Ego bleibt außen vor. Wir richten mit der Geschwindigkeit eines Revolverhelden. Und immer wieder drücken wir ab. Werden zu Richtern und spielen uns auf. Die gescheiterte Gesellschaft im Kapitalismus hält uns aufrecht. Darüber können wir glücklich sein. Auch im Hunger setzt sich die Welt neu zusammen. Wir gehen darüber hinweg, als sei das alles ganz selbstverständlich und normal. Von weiten hören wir zwar leise Stimmen, die aus einer anderen Welt zu kommen scheinen, aber die lassen wir aus. Richte nicht und der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Das hatte einmal als Idee angefangen und es hat sich seitdem mehr als verlaufen. In unseren riesigen Hallen stehen die stolzen Propheten in Stein gehauen. Das wird genügen. Muss genügen. Die Heiligkeit im festen Zustand. Ein Aggregat, das wir nicht schmelzen können mit unseren Gedanken. Aber das ist nicht wesentlich. Wir knien auf Böden und rutschen die Straßen entlang. Auf dem Weg in eine anders geartete Welt, als sie uns zugestehen wollen. Ja sogar dann, wenn wir sie selbst nicht sehen wollen. Die Großartigkeit, mit der wir uns verbündet haben, geht tiefer diesmal. Wir werden keinen Millimeter weichen. Und wenn es unser Leben kosten. Darauf pfeifen wir großzügig. Und im Lachen liegt die Wahrheit. Nur, dass uns das Lachen abhandengekommen ist. Wir liegen schon lange wieder in den Schützengräben der Welt. Bis auf den letzten Atemzug. Der irgendwann ganz von selber kommt. Hole einmal tief Luft und schaue in deinen Raum. Der dich umgibt. Den du ausfüllst. Es wird dir nicht schwerfallen. Dann können wir wieder verurteilen. Der ist so und die ist anders. Meine Welt die einzig Richtige. So wird es sein. Und die Engel staunen. Warum halten wir so sehr daran fest. Können wir nicht aus unserer Haut. Oder wollen wir einfach nicht. Ist der Krieg wirklich die einzige Heimat, die uns ausmacht. Das wollen wir nicht wissen. Wollen wir nicht hören. Und solange es genügend Feinde gibt, und sei es nur einer, geht es uns hervorragend. Das wissen sie alle. Darum spielen wir dieses Spiel immer und immer wieder. Wie eine Schachpartie. Nur, dass die Könige keine Könige sind. Es steht alles geschrieben. Und in sofern ist jedes weitere Wort eine Illusion. Eine Verblendung der Welt. Die Täuschung geht tief. Und tiefer noch geht der eigentliche Moment. Denn nur in Momenten wird die Welt zusammengesetzt. In deiner Vorstellung liegt man gut. Aber in vorgeschriebenen Vorstellungen liegt es sich bequemer. Das wissen sie und damit kommen wir zum eigentlichen Punkt. In ferner Vergangenheit brodelt die lustige Zukunft. Nur ohne ein Lachen. Nicht einmal ein Lächeln wird bleiben. Und wir suhlen uns auf den Schlachtfeldern wie die Schweine im Schlamm. Aber das hat durchaus seine Berechtigung. Wenn man es von einer höheren Warte aus betrachtet. Nur das Leben vergessen wir darüber. Aber das ist nicht wirklich schlimm. Denn was ist das Leben mehr, als eine Ansammlung aus Momenten und Ewigkeit. Es schreit alles zum Himmel. Aber die Taube ist schon lange nicht mehr weiß. Viertel Stunde vorbei. Gott sei Dank!

© Ulrich P. Hinz

Foto von Ekaterina Belinskaya

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