Gedankenschleuder (02.03.2022)

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02.03.2022

Wir liegen in den Schützengräben und beten. Die abgefaulten Gliedmaßen nehmen wir hin. Ohne sie zu verzehren. Aber das gelingt gut. Die Zeiten sind härter geworden. Aber sie werden auch wärmer. Die Hölle kommt irgendwann durch. Alles was uns davon abhält die anderen zu fressen, könnte ein moralisches Dilemma sein. Aber damit kennen wir uns aus. Seit tausenden von Jahren. Leben wir Seite an Seite. Feind an Feind. Und wenn es uns nicht gelingen wird, töten wir wahllos. Aber warum und wieso das ist ein Rätsel. Und Rätsel sind gut. Die Kirche arbeitet seit vielen hundert Jahren damit. Du kommst in die Hölle wenn. Oder du kommst in den Himmel wenn nicht. Blah und so. Und wir glauben einfach daran. Ohne uns etwas dabei zu denken. Ganz genauso wie heute. Aber in Farbe und mit Handys. Die uns den Weg weisen. Wie schon lange nicht mehr. Gut gespielt. Herr der Finsternis. Gut verkackt, Gott der Kirche. Wir gehen und gehen. Ankommen ist für Feiglinge. In der Veränderung liegt einzig und allein alles, was jemals Bedeutung hatte. Aber das ist nicht viel. Und zählt auch irgendwie nicht. Zumindest nicht wirklich. Wir man heute sagt. Wirklich ist zu einer abgegriffenen Hure geworden. Wie die meisten Begriffe, die jemals eine Bedeutung hatten. Aber das ist alles andere als ungewöhnlich. Denn auch die Sprache lebt. Wie ein Spinnennetz, in dem wir trocken dahin treiben. Kurz vor dem tödlichen Biss. Auf den man immer gefasst sein muss. Mit dem man immer rechnet. Wie eine Schreib-Lese-Schwäche. Die darüber hinwegtäuscht, dass alles viel billiger geworden ist. Ohne die Inflation mit einzuberechnen. Aber das scheint kaum einen Unterschied zu machen. Jedes System ist so angelegt, dass es irgendwann in sich selbst zusammenfällt. Und den Zenit haben wir schon lange überschritten. Nun freuen wir uns wie die Kinder auf den Rest. Auf den Untergang des ewig Gleichen. Und Nietzsche mit seiner Syphillis hätte seinen Spaß daran. Ihm würden die Eier schwällen. Aber bei der ganzen Brut ist es auch kein Vergnügen. Einzig und allein im Tod könnte er vor sich hinbrabbelnd scheinbar existieren. Ohne je gewesen zu sein. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Auf einem wo die 10 Gebote schon lange vergammelt sind. Keine Sau will noch etwas davon wissen. Du sollst nicht töten. Was für ein leeres Geschwätz. Auch wenn es eines der sinnvollsten Worthülsen ist, die uns je unter die Nase gekommen sind. Aber die Zeiten sind lange vorbei. Haben eigentlich noch nie stattgefunden. Und das ist gut so. Die Wirtschaft will schließlich ewig wachsen. So wie alle Bäume in den Himmel fliehen. Das ist Teil des Zerfalls. Das muss man einfach nehmen, wie es kommt. Auch wenn wir dann gehen. Oder nicht mehr da sind. Zumindest nicht mehr alle. Vielleicht ein kleinerer Teil. Vermutlich keiner. Aber das ist gut. Ist sehr gut. Denn dann hört man das Weinen nicht mehr. Das leise schluchzen und beten. Alles, was war, wird niemals gewesen sein. Etwas Besseres können wir uns nicht vorstellen. Wenn das Universum abgekühlt ist, bleibt es in sich allein. Einzig um darin zu verfaulen. Und den ganzen Mist als einsame Falbel jedem zu erzählen, der es hören will. Und das hat natürlich Konsequenzen. Die keiner bedenkt. Denn der große Spieler würde sie in sich selbst zu Tode langweilen. Und das kann es nicht sein. Darf es nicht sein. Muss es sein. Oder wir könnten ein Eis essen. Hier hast du tausend Euro. Kauf dir ein Eis für die Inflation. Die uns irgendwann fressen wird. Aber nur die Kleinen. Vielleicht auch die Mittleren. Und so weiter und so fort. Aber letztendlich wird keiner entkommen. Keiner. Und das gibt irgendwie eine gewisse Beruhigung. Wenn wir in unseren Gräben liegen und beten. Viertel Stunde vorbei.

© Ulrich P. Hinz

Foto von Ekaterina Belinskaya

Dieser Beitrag hat 10 Kommentare

  1. in meiner waschmaschine gab es einen schonschleudergang , den habe ich immer angestellt,-doch für die neueren ²beiträge² habe ich noch keinen button gefunden………bis bald h.n.

    1. Uli

      Werden Sie finden! 😉 Denn, wer suchet, der findet.

  2. eins zwei drei vier eckenstein.alles muss versteckt sein,- hinter-mir und vor mir,an beiden seiten gildets nichet…..eins zwei drei ich komme…..!!!!!!!……bis jetzt kein erfolg——ich übergebe mich nur ständig

    1. Uli

      Dann sind Sie auf dem richtigen Weg …

  3. bitte googlen,- es ist äusserst spannend,- vor allem golem im jüdischen museum…ich bin total schlapp vom vielen speien,-aber das kenne ich schon mein leben lang,-ich habe selten ruhe davon…….

  4. –1gradC stark bewölkt 22uhr10 heute habe ich vieles kurz und klein gelesen, hin und her , vor und zurück auch Ihren roman,den ich mir morgen nochmal vornehme,-ich brauche immer ein bisserl chaos um mich wohlzufühlen…gute nachtgrüsse- hedwig

    1. Uli

      Ja, das Chaos ist gleichzeitig Freund und Feind. 😉

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